5G Fake News - was ist dran an den Geschichten?

Im Internet und in Medien kursieren viele reisserische Geschichten zu 5G, die genau das sind: Geschichten. Häufig ist die Aufmachung sehr professionell, sodass es oft nicht einfach ist, Fake News zu erkennen.

Fallen die Vögel tot vom Himmel?

Nein.
Im Internet kursiert ein gerne geteilter Bericht, wonach während eines 5G-Tests in Den Haag (Niederlande) Stare tot vom Himmel gefallen wären. Dieser Bericht ist ein Fake. In Den Haag gab es zu diesem Zeitpunkt keinen 5G-Test. Die Stare werden derzeit untersucht, aktuell geht man von Gift aus. Mehr Hintergrundinformationen dazu: https://www.mimikama.at/allgemein/tote-voegel-den-haag-5g/

5G macht Schweißkanäle zu Antenne

Die Eindringtiefe von sehr hohen GHz-Frequenzen in die Haut liegt bei wenigen Millimetern. Daraus werden Gefährdungen für den Menschen abgeleitet, wie zum Beispiel Hautkrebs oder Augenleiden oder dass Schweißkanäle in der Haut zu Antennen werden könnten. Die internationalen Personenschutzgrenzwerte gelten allerdings für den Bereich bis 300 GHz und wurden im Vorjahr einer öffentlichen Konsultation unterzogen. Im Bereich des Mobilfunks blieben die Grenzwerte unverändert. Sie sind in Österreich verbindlich anzuwendenden.

5G Space Appeal

Weitere Appelle wie der „Internationale Appell: Stopp von 5G auf der Erde und im Weltraum“ (5G Space Appeal) zeichnet ein alldurchdringendes Szenario mit 5G-Stationen sogar in 20000 Satelliten, vor dem kein Lebewesen “den aus 5G resultierenden Belastungen entkommen“ könne. Er wird u.a. von Klaus Buchner, Abgeordneter zum EU-Parlament und ausgewiesener Mobilfunkkritiker, mitgetragen, wodurch eine höherer Verbreitungs- und Bekanntheitsgrad abzuleiten ist. Der Großteil der Unterzeichner rekrutiert sich laut der Homepage des Appells aus dem heilmedizinischen und esoterischen Bereich.
Inhaltlich ist der Appell eine Zusammenstellung bekannter Negativ-Argumente mit überzogenen Ergänzungen und in reißerischer Darstellung, die geeignet sind, Ängste zu schüren und zu erzeugen.

5G benötigt 8 AKWs

In Deutschland kursiert das Gerücht, wonach für den Betrieb von 5G in Deutschland 8 Atomkraftwerke benötigt würden. Das ist nicht korrekt: 5G ist wesentlich stromeffizienter als bisherige Mobilfunksysteme, eine Entwicklung, die bei der Einführung jedes Nachfolge-Mobilfunksystems bereits gesehen wurde. Am einfachsten läßt es sich an den Handys darstellen: alte GSM-Geräte wurden noch mit bis zu 2 Watt betrieben - moderne Geräte mit 0,125 W.

5G ist eine unbekannte, gefährliche Technologie

5G ist neu, unbekannt, unerforscht und ist ein Feldversuch am Menschen. Der letzte Vorwurf wurde bereits bei der Einführung der allerersten GSM-Mobilfunktechnik laut. Richtig ist: Technisch gesehen ist 5G eine Kombination aus neuen Ideen und weiterentwickelten, verbesserten bestehenden Komponenten. Es ist auf diese Art neu, aber doch auch nicht. Die Übertragungsprotokolle sind ähnlich wie LTE und WLAN und es kommen Frequenzen zum Einsatz, die direkt an die bestehenden Frequenzen für Mobilfunk anschließen und damit eine ähnliche Ausbreitungscharakteristik haben.

Millimeterwellen kochen das Auge und die Haut

Für den heute zur Verfügung stehenden Frequenzbereich bei 3.5 GHz ist das falsch.
Millimeterwellen sind Mikrowellen, deren Wellenlänge im Millimeterbereich, also zwischen 1 mm und 10 mm liegt, was einem Frequenzband von 30 GHz bis 300 GHz entspricht.[https://de.wikipedia.org/wiki/Millimeterwelle]

Mit Hilfe einer Grundrechnungsart, einer simplen Bruchrechnung, die der Formel für die Berechnung der Wellenlänge zugrunde liegt, lässt sich die Wellenlänge errechnen: Lichtgeschwindigkeit durch Frequenz. Bei 3,5 GHz ergibt sich damit eine Wellenlänge von 8,5 Zentimetern.

Das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz führt in einer ersten Bewertung von 5G aus:

„Viele technische Aspekte von 5G sind mit denen bisheriger Mobilfunkstandards vergleichbar: So soll 5G zunächst in Frequenzbereichen eingesetzt werden,

  • in denen bereits heute Mobilfunk betrieben wird (2-GHz Band),

  • die für vergleichbare Nutzungen vergeben sind (3,6-GHz-Band) oder

  • die solchen Frequenzbändern benachbart sind (700-MHz-Band).

Viele Erkenntnisse früherer Mobilfunkgenerationen sind auf 5G übertragbar.

Erste Studien im Frequenzbereich 40 GHz und 60 GHz an Augenzellen zeigen keine Auswirkungen. (siehe https://www.fmk.at/mobilfunktechnik/5g---die-zukunftstechnologie/wie-gefahrlich-ist-5g/)

Brüssel und die Schweiz stoppen 5G, weil es so gefährlich ist

Die Situation in Brüssel wurde "mit Anlauf" geschaffen: das Brüsseler Parlament hat im Jahr 2007 (Hinweis: Belgien hat 3 unabhängige Regionen: Brüssel, Wallonien und Flandern) "vorsorglich" einen maximalen Immissionswert für Mobilfunk von 3 V/m, kumulativ, festgelegt. Das ist 200mal weniger als die Personenschutzgrenzwerte, die auch in Österreich anzuwenden sind. Der Brüsseler Wert hat keine wissenschaftliche Basis und läuft den internationalen Personenschutzgrenzwerten zuwider.
Die belgischen Betreiber haben schon damals festgehalten: das bedeutet ca. 40% mehr neue Sites aufgrund verringerter Versorgungsradien, viel mehr Stromverbrauch und viel mehr "Betroffene". Für den LTE-Ausbau wurde der Wert kurzfristig angehoben, was ohne wissenschaftliche Basis (siehe oben) sehr einfach umgesetzt werden kann. Die Betreiber haben auch für 5G ganz klar kommuniziert, dass es keinen 5G-Ausbau geben kann, wenn die Werte nicht angepasst werden. Dies ist bisher nicht geschehen. 
Die Umweltministerin der Region Brüssel interpretiert dies aus politischen Gründen (Anm.: in Belgien stehen Wahlen an) nun als "Durchbruch", weil "aus gesundheitlichen Gründen 5G verhindert" wurde. Die Diskussionen über den weiteren Ausbau laufen derzeit, da dieser Stopp auch der EU-Agenda zuwiderläuft.

 

In der Schweiz haben einige Kantone, allen voran Genf, ein 5G-Moratorium und damit einen Ausbaustopp beschlossen. Der Bund als übergeordnete Instanz bei den Kantonen interveniert und klargestellt, dass ähnlich wie in Österreich die Gesundheitskompetenz im Bauverfahren beim Bund liegt; der 5G-Aubau schreitet nun weiter voran. [https://www.tagblatt.ch/schweiz/5g-skeptiker-sind-ratlos-ld.1121173]. Der Kanton Jura hat sein Moratorium zwischenzeitlich zurückgenommen.