Telemedizin

Telemedizin  ist definiert als Diagnostik und Therapie unter Überbrückung einer räumlichenoder auch zeitlichen Distanz zwischen Arzt, Apotheker und Patienten oder zwischen 2 sich konsultierenden Ärzten mittels Telekommunikation. Wobei Telekommunikationin den meisten Fällen Mobilfunk bedeutet, da die mobile Datenübertragungflexibler als das konventionelle Festnetz ist. Ein wichtiges Anwendungsgebiet der Telemedizin ist die regelmäßige Kontrolle implantierbarer Devices beziehungsweiseder von diesen gesammelten Patientendaten.

Derzeit müssen noch viele tausend Patienten mit Herzschrittmachern und implantierbaren Defibrillatoren zu Routinekontrollen in Spitalsambulanzen. Da jede Implantation auch Nachsorge bedeutet, nehmen solche Untersuchungen in Krankenhäusern einen immer höheren Anteil der Arbeitszeit in Anspruch. Sehr oft geschieht bei diesen Kontrollen nicht mehr, als dass Daten aus dem Implantat in einen Computer übertragen und ausgewertet werden. Genau das erfordert heute jedoch nicht mehr die persönliche Anwesenheit des Patienten. Stattdessen können die Informationen auch über große Entfernungen an das Krankenhaus weitergeleitet werden. Im Falle des Home-Monitoring-Systems eines Medizintechnik-Herstellers übernimmt ein kleines, tragbares Gerät namens CardioMessenger die Datenübertragung über das Mobilfunknetz. Die Daten werden im Service Center des Hersteller ausgewertet und den behandelnden Ärzten in Form eines sogenannten „CardioReports“ online und automatisch zur Verfugung gestellt. Auf Wunsch kann auch über Faxoder SMS über bestimmte Ereignisse informiert werden.Telemedizin kann so den medizinischen Arbeitsaufwand reduzieren und dadurch sowohl dem Patienten mehr Lebensqualität bieten als auch die Kosten für das Gesundheitswesendeutlich senken.

Die Effektivität dieser Methode wurde erstmals in der AWARE-Studie [wo wurde die gemacht ?] bestätigt. Studienziel war die Untersuchung der täglichen Routineanwendung von Home Monitoring bei einer großen Patientenpopulation mit kardiologischen Implantaten (Arnaud Lazarus, PACE 2007; 30:S2–S12). In die weltweite Datenbankanalyse waren 11.624 Patienten aus 23 Ländern eingeschlossen. Home Monitoring erwies sich dabei als sehr effektiv in der Detektion asymptomatischer Ereignisse. So ergab die Studie, dass das Intervall von der letzten im Krankenhaus durchgeführten Kontrolle bis zu einem Ereignis im Mittel 26 Tage betrug. Wenn man von einem Nachsorgeschema von 6 Monaten ausgeht, hätte es also ohne Home Monitoring weitere 154 Tage gedauert, bis man ein asymptomatisches Ereignis entdeckt hatte, wobei sowohl medizinische als auch technische Ereignisse betroffen sind. Dass ein so langer Zeitraum klinische Relevanz hat, steht außer Diskussion. Durch die frühzeitige Erkennung von Events ermöglicht Home Monitoring frühere Interventionen und damit den besseren Einsatz der medizinischen Ressourcen. In der AWARE-Studie konnte die Anzahl der Routine-Nachsorgen im Spital bei gleichzeitiger Verbesserung der Versorgungsqualität von viermal pro Jahr auf einmal im Jahr reduziert werden. In naher Zukunft dürfte es also zu einem Paradigmenwechsel von „just in time“ zu „just in case“, also der Nachsorge nur mehr im Bedarfsfall, kommen. Mittlerweile wurden die Vorteile der Telemedizin auch in prospektiv randomisierten, multizentrischen Studien belegt. So zeigt die  publizierte COMPAS-Studie (Mabo P et al., European Heart Journal 2011; doi: 10.1093/eurheartj/ehr419) in einem Kollektiv von Patienten mit Herzschrittmachern (n = 538) eine Reduktion von Hospitalisierungen aufgrund von atrialen Arrhythmien und Schlaganfällen um 66% durch den Einsatz eines Home-Monitoring- Systems im Vergleich zu konventioneller Nachsorge.

Doch Telemedizin kann mehr als die Überwachung von Implantaten. In Deutschland wird die Entwicklung unter anderem vom „Netzwerk für Health Systeme und Telemedizin e.V.“ vorangetrieben. Das Netzwerk bezeichnet sich selbst als „Zusammenschluss von Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Krankenhäusern, Organisationen und Einzelpersönlichkeiten mit dem Ziel, die Qualität der Patientenbetreuung durch Innovationen zu erhöhen und gleichzeitig die Gesundheitswirtschaft effektiver zu gestalten.“ Eines der Projekte des Netzwerks ist das StrokeNet, ein Telemedizinsystem, das es ermöglicht, durch eine Bild- und Tonverbindung samt Übertragung von Vitaldaten und Monitoring-Daten vom Rettungswagen zu einer Stroke Unit neurologisches Expertenwissen bereits in der Notversorgung zu nutzen. Unter dem Etikett SQUIN wird eine innovative Online- und Smartphone- basierte e-Therapie zur Raucherentwöhnung entwickelt.

In Österreich ist die Telemedizin im Vormarsch. So wird ein Home-Monitoring-System bereits seit 2001 routinemäßig zur Überwachung von Patienten mit kardiologischen Implantaten eingesetzt. Die Chance der Telemedizin, durch Fernüberwachung und Früherkennung Ambulanzbesuche und Klinikaufenthalte zu vermeiden oder zu verkürzen, haben auch bereits einige österreichische Krankenkassen erkannt. So gibt es beispielsweise eine Kooperation der Vorarlberger Krankenkasse mit dem Landeskrankenhaus Feldkirch im Zuge der Fernüberwachung von Patienten mit Herzinsuffizienz. Weitere telemedizinische Projekte sind in Planung. Sie umfassen kardiologisch-kardiochirurgische Online-Konferenzen ebenso wie die kardiologische Tele-Rehabilitation.

Welche Vorteile der verstärkte Einsatz von Telemedizin gerade in ländlichen Regionen bringen kann, zeigt ein Pilotprojekt der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) in Hamburg mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Der Vertrag zwischen der Kasse und der Klinik betrifft vor allem die telemedizinische Versorgung der ländlichen Umgebung von Hamburg. Laut DAK (Quelle: Symposium „Telemedizin in der Kardiologie“, Oktober 2009 in Wien) ist das Projekt ein voller Erfolg und führt zu weniger Kontrolluntersuchungen beim Arzt bzw. im Krankenhaus und zu Reduktionen der stationären Aufenthalte – ohne Verluste in der Versorgungsqualität. Die Folgen sind eine Steigerung der Lebensqualität für den Patienten und Kosteneinsparungen im stationären Bereich.

[wie alt ist das?] In Großbritannien hat die Regierung kürzlich eine Initiative angekündigt, in deren Rahmen in Partnerschaft mit der Industrie inden nächsten 5 Jahren 3 Millionenchronisch kranke Briten telemedizinisch versorgt werden sollen.Dieser „landesweiteRollout“ der Telemedizin wurdezur Chefsache erklärt und von Premierminister David Cameron persönlich angekündigt.Die Basis dieses ehrgeizigen Projekts ist die Telemedizinstudie„Whole System Demonstrator Programme“,bei der mehr als 6.000 Patientenmit Herzinsuffizienz, COPD oder Diabetes in 230 Hausarztpraxen telemedizinisch betreut wurden. Das britische Gesundheitsministeriumals Initiator der Studie hat jedoch bereits erste Ergebnisse in Form einer Presseaussendung verlautbart. Diesen zufolge wurde durch die telemedizinische Betreuung eine deutliche Reduktion der Mortalität,  der Hospitalisierungen und der Krankenhaustage erreicht.