OFFENER Brief an die "Ganze Woche"

Wien, am 19.11.2015

Offener Brief an die Redaktion „Ganze Woche“

Sehr geehrte Damen und Herren der Redaktion!

Unter dem Kürzel DHru erschien in Ihrer letzten Ausgabe der „Ganze Woche“ ein Artikel mit dem Titel „Schluss mit der ständigen Erreichbarkeit". Demnach stehe es fest, dass das Telefonieren mit Mobiltelefonen gesundheitsschädigend sei.

Das entspricht aber nicht dem aktuellen, anerkannten  wissenschaftlichen Kenntnisstand der Weltgesundheitsorganisation. Viel mehr wird festgestellt, dass bei Einhaltung aller Grenzwerte von Mobilfunk keine Gefahr ausgeht.

Konkret schreiben Sie in Ihrem Artikel, dass der  „Gebrauch von Computer und Handy (…) schwere gesundheitliche Konsequenzen nach sich ziehen“ kann und zitieren Dr. Hutter, der meint, dass Tinnitus in direktem Zusammenhang mit der Handystrahlung stehe.

Dem Forum Mobilkommunikation sind die Studien von Dr. Hutter selbstverständlich bekannt. Er stellte beispielsweise 2011 in der ORF-Sendung „Konkret“ seine Tinnitus-Studie vor. In Ihrem Artikel wird allerdings verschwiegen, dass selbst er als Studienautor einräumte, dass gefundene Effekte nicht notwendigerweise mit dem Gebrauch von Mobiltelefonen zusammenhängen müssen.

Mehr noch, im renommierten deutschen Ärzteblatt war nach Veröffentlichung seiner Studie zu lesen, dass das statistische Zahlenwerk auch dahin gehend interpretiert werden kann, dass Nutzer, die besonders häufig mit dem Handy telefonierten, seltener an einem Tinnitus leiden (!) als Personen mit einer geringeren Nutzung.

Das Ärzteblatt kommentierte diese Studie daher abschließend mit: „Die Studie kann deshalb den Zusammenhang nicht beweisen“.

Auch Schlüsse, die hinsichtlich der  Nutzung von Mobiltelefonen im Zusammenhang mit Kurzsichtigkeit gezogen werden, müssen hinterfragt werden: Wenn es tatsächlich so ist, dass kurze Betrachtungsabstände zur Kurzsichtigkeit führen, dann gilt dies wohl auch für das Lesen von Zeitungen und Büchern.

Ein, wie in Ihrem Artikel behaupteter, starker Anstieg der Kurzsichtigkeit unter jungen Erwachsenen lässt jedoch – aufgrund der Möglichkeit, mobil immer und überall Informationen abzurufen – lediglich den Schluss zu, dass Jugendliche heute deutlich mehr lesen, als noch vor einigen Jahrzehnten.

Dass Dr. Hutter der Meinung ist, dass  „früher, nach 22 Uhr nicht mehr telefoniert wurde“, bleibt ihm unbenommen, jedoch scheint dies eher eine Vermutung zu sein. Uns ist jedenfalls keine Studie bekannt, die diese Frage beantwortet. Fakt ist jedoch, dass es auch „früher“  keinerlei Beschränkungen gab, welche das Telefonieren in den Nachtstunden verunmöglichten – abgesehen natürlich von seltenen Störungen des Telefonnetzes, die jedoch keinem Zeitplan folgten.

Sollten Sie für zukünftige Artikel in der „Ganze Woche“  zum weiten Themenbereich Mobilfunk recherchieren, stehen wir Ihnen selbstverständlich mit belastbaren, dem aktuell gültigen, weltweiten Wissensstand entsprechenden Informationen sehr gerne zur Verfügung!

Mit besten Grüßen

Gregor Wagner / Pressesprecher