FMK-Podiumsdiskussion: Wie viel Breitband braucht Österreich?

Die Breitbandstrategie 2020 der österreichischen Bundesregierung fordert mindestens 100 Mbit/s Übertragungsgeschwindigkeit in ganz Österreich.

Diese Vorgabe wurde gestern, 24.10.2013, von den Spitzen der österreichischen Mobilfunkindustrie anlässlich der FMK-Podiumsdiskussion diskutiert.

Jan Trionow, Präsident FMK und CEO Hutchison Drei Austria GmbH, meinte dass der Ausbau von Glasfaser-Technologie in Österreich in absehbarer Zukunft flächendeckend nicht realisierbar sei. "Deswegen", so Trionow weiter, " fällt LTE eine besondere Bedeutung bei der ländlichen Versorgung mit Breitband-Internetzugängen zu." Er erinnerte daran, dass heute mehr Bürgermeister eine verbesserte Versorgung forderten, als es Bürgerinitiativen gegen den Bau von Mobilfunkstationen gäbe. Trionow übte auch Kritik an den von der Politik geschaffenen Bedingungen, die für die Entwicklung der Mobilfunkindustrie besonders kontraproduktiv wären. Ein besonders krasses Beispiel dafür seien etwa die verpflichtenden Papierrechungen für einen Industriebereich, der die Digitalisierung vorantreiben soll.

Auch betreffend Förderungen müsse mit Bedacht vorgegangen werden, denn die können sich auch wettbewerbsverzerrend auswirken. Trionow: "Es kann nicht sein, dass man dem Mobilfunk durch die Frequenzauktion zwei Milliarden entzieht um dann Geld ins Festnetz zu stecken."

Hannes Ametsreiter, Generaldirektor A1 und Telekom Austria Group, betonte, dass die Gesellschaft immer mobiler werde und daher überall die beste Versorgung mit Breitband wolle. Um dies zu gewährleisten, sei dafür eine Kombination aus leistungsfähigem Festnetz und einer flächendeckenden Mobilfunkversorgung am besten geeignet. Ametsreiter weiter: "Die zu Ende gegangene Auktion hat in Österreich einen Europa-Rekordpreis erzielt. Das Auktionsformat hat der österreichischen Mobilfunkindustrie die höchsten Ausgaben für Frequenzen beschert. Das ist ein Negativrekord, aus dem wir nun das Beste machen müssen, da Österreich im Bereich der digitalen Infrastruktur, insbesondere im ländlichen Raum, einiges aufzuholen hat. Wir sind heute so aufgestellt, dass wir es auch wieder schaffen können, uns an die Spitze zu setzen. Betreffend der Förderungen bin ich der Überzeugung, dass sie technologie-neutral eingesetzt werden sollen."

Andreas Bierwirth, CEO T-Mobile Austria GmbH: "Benutzer brauchen
je nach ihren Bedürfnissen unterschiedliche Bandbreiten, darum sind Ausbauziele auch differenziert zu betrachten. Industriegebiete werden beispielsweise nicht ohne Glasfaser auskommen, die breite Versorgung für die Bevölkerung erreicht man allerdings nur mit Mobilfunk. Es ist daher nicht realistisch und auch wirtschaftlich nicht sinnvoll, eine Glasfaser-Versorgung bis zu den Endverbrauchern flächendeckend auszubauen. Wer Breitband flächendecken will, muss den Mobilfunk forcieren."

Bierwirth übte in der Folge scharfe Kritik am Auktionsdesign,
dass, wie er meinte, so gestaltet war, dass man nicht nur um die Frequenzen, sondern schlichtweg um den Fortbestand des Unternehmens bieten musste.
In diesem Punkt herrschte unter den drei Unternehmensvertretern Einigkeit.

Walter Leiss, Generalsekretär Österreichischer Gemeindebund, meinte, dass im ländlichen Raum schon in den Bereichen Strassen- und Schieneninfrastruktur gespart werde. Deshalb sei es umso wichtiger, die Chance zum Ausbau des österreichischen Breitbandnetzes zu nutzen.

Thomas Arnoldner, CEO Alcatel-Lucent Austria AG: "Breitband ist zu einer Basis-Infrastruktur des Standorts Österreich geworden, die flächendeckend, ähnlich wie Straßen, Strom und Wasser behandelt werden muss: In Ballungsräumen stärker ausgebaut und in Randgebieten eine adäquate und stabile Grundversorgung. So wird die gesamte Bevölkerung fair behandelt und erhält Zugang zu gefragten und zukünftigen Diensten wie Video, e-health, Teleworking oder e-education."

Alfred Ruzicka, Breitbandbüro BMVIT: "Breitband ist als Gesamtkonzept zu verstehen. Wir sind schon heute in vielen kleinen Teilbereichen an der Spitze. Daher sind wir in der Lage, dass sich Österreich in Zukunft auch als IKT-Nation einen Namen machen kann. IKT "Made in Austria", soll ein Qualitätsmaßstab werden."
Auf die Publikumsfrage, ob mit der zugesicherten Förderung in Höhe der "Hälfte des Auktionserlöses auch tatsächlich eine Milliarde" gemeint sei, konnte Ruzicka aufgrund der laufenden Regierungsbildung nicht eindeutig antworten.

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