Mit neuer Technik Früherkennung von Herzrhythmusstörungen möglich
Wenn Herzschrittmacher mit dem Arzt sprechen
Misst und sendet Daten ans Spital.
Gerät reagiert auf mentale Belastungen.
Externer Eingriff per Funk unmöglich.
Einen innovativen Herzschrittmacher, der seine Stimulation nicht nur laufend an die Bedürfnisse des Patienten anpasst, sondern auch regelmäßig dem behandelnden Arzt via Mobilfunk Bericht erstattet, haben Mediziner im Wiener Wilhelminenspital erstmals eingesetzt. Es war auch die weltweit erste Operation, bei der der neue Schrittmacher "Evia" implantiert wurde, erklärte Lorenz Neuhäuser-Happe von der Herstellerfirma "Biotronik" der "Wiener Zeitung".
Der Herzschrittmacher
führt autonom laufend Messungen durch, die bisher im Krankenhaus
durchgeführt werden mussten. Die Messergebnisse und Systemeinstellungen
werden zusammen mit einem Elektrokardiogramm (EKG) in regelmäßigen
Abständen zuerst an ein mobiles Zusatzgerät beim Patienten und von dort
an den betreuenden Arzt weitersendet. So wird eine
Schrittmachernachsorge unabhängig von Zeit und Ort, also ohne
Krankenhausbesuch möglich.
Ein Eingriff des Arztes über
Mobilfunk direkt in den Schrittmacher wäre technisch zwar machbar, ist
jedoch weder möglich noch geplant, so Neuhäuser-Happe. Stellt der
Mediziner bei der Kontrolle der Daten Unregelmäßigkeiten fest, muss der
Patient persönlich zur Kontrolle erscheinen. Durch die Möglichkeiten
des Systems könnten nicht nur Gerätestörungen rechtzeitig entdeckt
werden, auch eine Früherkennung etwa von Herzrhythmusstörungen sei
möglich.
Abgesehen von der automatischen Übermittlung von
Daten an den behandelnden Arzt, passt "Evia" die Stimulationsfrequenz
laufend und autonom an die Bedürfnisse des Patienten an. "Im
Unterschied zu den gängigen Herzschrittmachern, die in der Regel nur
auf Bewegung mit einer Erhöhung der Stimulationsfrequenz reagieren,
erkennt dieser physiologische Sensor als Einziger auch jede Art der
mentalen Belastung", erklärte dazu Michael Nürnberg, Oberarzt am
Wilhelminenspital.
Durch einen speziellen Sensor erkennt
der Schrittmacher geistige Anstrengungen, wie etwa das Lösen einer
komplizierten Rechenaufgabe, und reagiert entsprechend. Damit soll der
Schrittmacherpatient einen Herzrhythmus annähernd wie ein Gesunder
bekommen. Derzeit läuft eine Studie, ob die Funktion die
Gedächtnisleistung der Patienten steigert.
Handy kein Problem
Übrigens
können Handystrahlen die Geräte kaum beeinflussen. "Die sind durch ein
Titangehäuse geschützt", so Neuhäuser-Happe. Kommt es dennoch zu
Problemen, schaltet das Gerät in einen "Sicherheitsmodus". Und für die
Übertragung der Daten würden nur extra für medizinische Produkte
freigegebene Frequenzen benutzt.
Wiener Zeitung; Printausgabe vom Dienstag, 07. Juli 2009













