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    24.01.2012

    Falken setzen auf Mobilfunk


    Eine ungewöhnliche Allianz gehen seit kurzem Artenschützer und Mobilfunkbetreiber ein. Sendemasten wie der nördlich von Rambach (Stadt Schlüsselfeld) werden zu exponierten Nistplätzen für Turmfalken und leisten somit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der allmählich bedrohten Art.


    Mobilfunkmasten als wertvolle Helfer im Artenschutz? "Ja", sagt Thomas Köhler, ehrenamtlicher Mitarbeiter der Initiative Artenschutz in Franken. Der "neue Lebensraum für kulturfolgende Arten"" habe bislang nur zu wenig Beachtung gefunden. Wie erfolgreich der Artenschutz mit seinem Modell "Türme für Frankens Turmfalken" im Steigerwald ist, macht Köhler am Mobilfunkturm nördlich von Rambach (Stadt Schlüsselfeld) deutlich. In luftiger Höhe von 40 Metern wurde dort vor gut einem Jahr eine Nisthilfe für Turmfalken installiert.

    Bereits im ersten Jahr sei sie angenommen worden und ein Turmfalkenpaar hat dort zwei Junge "produziert". Kein Wunder für Thomas Köhler: Kirchtürme seien heute vergittert, alte Gebäude würden saniert. Die Verschmutzung durch Vogelkot wolle heute niemand mehr. Früher hätten sich die Turmfalken Burgen, Schlösser und Kirchen für ihre Bruttätigkeit ausgesucht. "Das waren zu ihren Zeiten auch moderne Bauten", sagt Köhler. Dann kamen die Industriebauten und heute seien es eben die Mobilfunkmasten. Den Tieren sei es gelungen, sich den modernen Bauwerken anzuschließen. Für den Turmfalken sei der Mobilfunkmast "ein Kunstfelsen". Und der Artenschutz müsse erkennen, wie wichtig es ist, diese modernen Bauwerke in seine Aufgaben zu integrieren.

    Glücklich sind die Artenschützer deshalb, in Vodafone als dem Eigentümer des Funkmasten einen Partner zu haben, mit dem sich laut Köhler gut zusammenarbeiten lässt - was sicher auch im Interesse des Konzerns ist. Denn, Mobilfunkmasten sind für viele Menschen "negativ belegt". Und was ist mit den viel diskutierten und mitunter gefürchteten "magnetischen Feldern"? "Die Wildtiere suchen sich die Masten ja freiwillig aus", sagt Köhler. Seit fünf Jahren sammelt er Erfahrungen mit der "Kinderstube auf dieser kommunikativen Plattform - seitdem schlüpfen dort Jungtiere aus, an denen alles dran ist."

    "Wir stellen ja nur Nisthilfen zur Verfügung", erklärt Köhler. Es werde nicht "ausgewildert". In Rambach habe das gut funktioniert, weil der Mast in einem Biotop stehe wo die Turmfalken noch genügend Nahrung finden: "Wenn sie Jungtiere haben, müssen die Turmfalken bis zu 40 Mäuse oder Ratten pro Tag ranschaffen." Ein durchaus wertvoller Einsatz für die Landwirtschaft, findet Köhler. Die Turmfalken würden diese Schädlinge ohne jeglichen weiteren Aufwand reglementieren. Gleichzeitig mit dem Funkturm bei Rambach wurde im Oktober 2010 ein weiterer an der B 505 bei Pommersfelden mit einer Nistmöglichkeit "bestückt". Der sei allerdings noch nicht besiedelt.
    Nach Köhlers Worten ist der Turmfalke "derzeit noch" der häufigste Greifvogel. Er leide jedoch deutschlandweit unter Bestandsrückgängen. In der ausgeräumten, artenarmen Landschaft findet der Turmfalke immer weniger Rückzugs- und Nistmöglichkeiten. Dem sucht der Artenschutz entgegenzuwirken.

    Der Turmfalke baue kein Nest im eigentlich Sinn. Ursprünglich habe er sich Felsformationen zu eigen gemacht. Als "Vogel der Lüfte" brauche er aber einen exponierten Standort. Das "Kinderzimmer" auf dem Mobilfunkturm ist ein einfacher mit Sägespänen ausgestatteter Holzkasten. Die Nistmöglichkeiten auf dem Funkturm seien nicht nur sicher vor Feinden, sondern auch vollkommen wartungsfrei und - mit etwa 30 Jahren Bestand - sehr langlebig.
    Natürlich kommt für den Artenschutz nicht jeder Turm in Frage. Im Vorfeld werde der Standort mit dem Spektiv genau beobachtet. Besonders geeignet sei dafür die Herbstbalz. "Da sieht man sofort, wenn sich etwas bewegt", erklärt Köhler. Artenschutz sei ein Geben und ein Nehmen. "Letztendlich bringt es uns allen etwas. Wir versuchen die Artenvielfalt in die Zukunft hinüberzuretten. Vielleicht brauchen wir ja irgendwann etwas aus der genetischen Vielfalt, um unser Leben sicherzustellen.

    Quelle: www.infranken.de