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    15.05.2012

    AGNIR-Report 2012 zu gesundheitlichen Auswirkungen von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern


    Die britische Beratergruppe für nicht-ionisierende Strahlung (AGNIR) hat am 25. April 2012 diesen umfassenden Report veröffentlicht, den sie im Auftrag der britischen Health Protection Agency (HPA) verfasst hat.


    Er ist eine Aktualisierung des AGNIR-Reports aus dem Jahr 2003 und beleuchtet den wissenschaftlichen Erkenntnisstand zur Exposition durch hochfrequente (HF) elektromagnetische Felder durch Handy-Technologien und andere funkbasierte Technologien. Die Beratergruppe kommt zu dem Schluss, dass trotz umfangreicher Forschung keine überzeugenden Beweise für gesundheitliche Auswirkungen durch HF-Exposition unterhalb der international vereinbarten Grenzwerte (die auch in Großbritannien angewandt werden) bei Erwachsenen oder Kindern gefunden werden konnten. Eine abschließende Beurteilung hält AGNIR aufgrund von Einschränkungen bei den publizierten Forschungs-ergebnissen aber für verfrüht und verweist auf mögliche Auswirkungen auf das Elektroenzephalogramm (EEG, aufgezeichnete elektrische Signale aus dem Gehirn). Die Beratergruppe gibt aber zu bedenken, dass diese Effekte noch nicht eindeutig nachgewiesen sind und hält es für unklar, ob sie irgendwelche gesundheitlichen Folgen haben können. Weiterhin betont AGNIR, dass die Mobilfunktechnologie erst seit relativ kurzer Zeit in der Öffentlichkeit verbreitet ist und dass es wenig Informationen über Risiken einer Langzeitnutzung von mehr als 15 Jahren gibt. Deshalb sei es wichtig, die wissenschaftlichen Entwicklungen und auch die Entwicklung nationaler Hirntumor-Erkrankungsraten kontinuierlich zu verfolgen. Die HPA will auch weiterhin zur Vorsorge raten und die Forschung genauestens beobachten. Sie empfiehlt, Kindern von einem übermäßigen Handygebrauch abzuraten und die SAR-Werte von Handys deutlich in den Verkaufsunterlagen von Mobiltelefonen anzugeben.

    AGNIR Pressemitteilung und Download des Reports 2012:http://www.hpa.org.uk/NewsCentre/NationalPressReleases/2012PressReleases/120426Mobilephones

    HPA Antwort auf den AGNIR Report 2012:
    http://www.hpa.org.uk/webw/HPAweb&HPAwebStandard/HPAweb_C/1317133825459

    Medienmeldungen:
    http://www.telegraph.co.uk/health/healthnews/9226041/No-evidence-that-mobiles-cause-cancer-but-scientists-still-cant-rule-it-out.html
    http://www.heise.de/newsticker/meldung/Mobilfunk-Weiterhin-keine-Beweise-fuer-Schaedlichkeit-1561778.html (in Deutsch)

    Der Verband der britischen Mobilfunk-Netzbetreiber (MOA, Mobile Operators Association) begrüßte die Veröffentlichung des AGNIR-Berichts. MOA-Geschäftsführer John Cooke sagte: "Das Handy gibt es nun schon seit etwa 30 Jahren und Mobilfunk-Basisstationen senden Hochfrequenzfelder ähnlich denen von Funksendern aus, die seit den 1920er Jahren in Betrieb sind. Die Öffentlichkeit wird durch die AGNIR-Ergebnisse beruhigt sein, dass es nämlich trotz fast zwei Jahrzehnten Forschung und vielen Studien noch keine überzeugenden Beweise dafür gibt, dass Handys Gesundheitsschäden verursachen."
     http://www.mobilemastinfo.com/2012/major-uk-review-of-science-welcomed-by-mobile-phone-network-operators.html

    Prof. Dariusz Leszczynski von der finnischen Strahlenschutzbehörde (STUK, Radiation and Nuclear Safety Authority) kommentiert in der Washington Times, dass er den britischen HPA Bericht für einseitig und irreführend hält, und nennt mehrere Gründe für diese Einschätzung. Er kritisiert insbesondere die Tatsache, dass die IARC-Klassifizierung von Mobilfunkstrahlung aus dem Jahr 2011 als mögliches Karzinogen in diesem Bericht überhaupt nicht erwähnt wird, und dass auch andere wichtige Forschungsergebnisse abgetan oder ganz weggelassen wurden, einschließlich von Studien aus Leszczynskis Arbeitsgruppe am STUK zu Stress-Reaktion, Proteinexpression und Genexpression.Kommentar unter: http://communities.washingtontimes.com/neighborhood/between-rock-and-hard-place/2012/may/3/uk-hpa-report-cell-phones-health-not-what-it-claim/