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    01.03.2012

    "Handystrahlung" - was sagt die WHO?


    Immer wieder werden Aussagen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zum Thema Mobilfunk und Gesundheit missinterpretiert. Das FMK hat deshalb gemeinsam mit der Ärzte-Krone einen Artikel lanciert, der auf kompetente Weise die Sicht der WHO zusammenfasst


    Neben einer weit verbreiteten Angst vor negativen langfristigen Risiken durch die Felder von Mobiltelefonen und ihren Basisstationen gibt es jedoch Berichte von Personen, die in der Nähe solcher Sender akute Beschwerden entwickeln. „Seit einiger Zeit berichten Personen über verschiedene gesundheitliche Probleme, die sie auf die Einwirkung von elektromagnetischen Feldern (EMF/ELF) zurückführen. Während einige Betroffene nur von leichten Symptomen berichten und sich als Reaktion, soweit es geht, von den Feldern fernhalten, sind andere so ernsthaft betroffen, dass sie aus dem Berufsleben ausscheiden und ihre gesamten Lebensweise ändern.

    Diese vermeintliche Sensitivität gegenüber EMF wird allgemein als ,elektromagnetische Hypersensitivität‘ (EHS) bezeichnet“, heißt es in einem Fact Sheet, das auf den Ergebnissen eines Workshops der WHO zu elektrischer Hypersensitivität (Prag, Tschechische Republik, 2004), einer internationalen Konferenz zu EMF und unspezifischen Gesundheitsbeschwerden (COST244bis, 1998), einem Bericht der Europäischen Kommission (Berggvist und Vogel, 1997) und aktuellen Literaturrecherchen basiert. Als typische Beschwerden im Rahmen der EHS werden dermatologische (Rötungen, Prickeln und Brennen) sowie neurasthenische und vegetative (Erschöpfung, Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Schwindel, Übelkeit, Herzklopfen und Verdauungsstörungen) Symptome genannt. Diese Beschwerden werden von den Betroffenen auf die Einwirkung von EMF zurückgeführt.

    EHS ähnelt der multiplen Chemikaliensensitivität (MCS), einem Beschwerdebild, das mit Umweltchemikalien in niedrigen Konzentrationen in Verbindung gebracht wird. Gemeinsam ist EHS und MCS auch, dass es keine ersichtliche toxikologische oder physiologische Begründung und keinen unabhängigen Nachweis gibt. Ein allgemeiner Begriff für die Überempfindlichkeit gegenüber Umweltfaktoren ist idiopathische Umweltintoleranz (IEI), eine Bezeichnung, die auf einen vom „Internationalen Programm für Chemikaliensicherheit“ (IPCS) der WHO 1996 in Berlin einberufenen Workshop zurückgeht.

    IEI steht für eine Reihe von Störungen mit ähnlichen unspezifischen, medizinisch ungeklärten Symptomen, die sich nachteilig auf die Betroffen auswirken.

     Kein Nachweis in kontrollierten Studien

    Laut Angaben der WHO ist EHS sehr selten, die Prävalenz wird auf einige wenige Betroffene pro Million geschätzt, wobei Selbsthilfegruppen höhere Zahlen melden. Es bestehen beträchtliche geografische Unterschiede in der Verbreitung von EHS sowie in den dokumentierten Symptomen, wobei in Schweden, Deutschland und Dänemark höhere Prävalenzen erhoben wurden als in Großbritannien, so die WHO, nicht gelungen, die EHS-Symptomatik in einen ursächlichen Zusammenhang mit elektromagnetischen Feldern zu bringen. Es wurden eine Reihe von Studien durchgeführt, in denen EHS-Betroffene EMF ausgesetzt wurden, die denen entsprechen, die sie als Ursache ihrer Symptome beschreiben. Ziel war es, die Symptome unter kontrollierten Laborbedingungen auszulösen. „Gut kontrollierte und durchgeführte Doppelblindstudien haben gezeigt, dass die Symptome nicht mit der Einwirkung von EMF in Zusammenhang standen“, schreibt die WHO. Es wurde vermutet, dass die von einigen EHS-Betroffenen geschilderten Symptome von Umweltbedingungen herrühren, die nicht mit EMF in Zusammenhang stehen. Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass die Symptome durch bestehende psychiatrische Bedingungen sowie Stressreaktionen auf Grund von Ängsten vor Gesundheitsfolgen durch EMF begründet sein dürften. Dennoch empfiehlt die WHO der Ärzteschaft, diese Symptome ernst zu nehmen, da sie von den Betroffenen real erlebt werden und sehr belastend sein können.

    Die Behandlung betroffener Personen sollte sich auf die Symptomatik und das klinische Bild konzentrieren und nicht auf das wahrgenommene Bedürfnis der Person, am Arbeitsplatz oder im häuslichen Umfeld die Belastung durch EMF zu reduzieren oder auszuschalten. Empfohlen werden: • eine medizinische Untersuchung zur Identifizierung und Behandlung aller spezifischen Ursachen, die für die Symptome verantwortlich sein könnten

     • eine psychologische Untersuchung, um andere mögliche psychiatrische/psychologische Ursachen für die Entstehung der Symptome zu identifizieren

    • eine Beurteilung des Arbeitsplatzes und der häuslichen Situation hinsichtlich Einflussfaktoren, die zu den beschriebenen Symptomen beitragen könnten. Dazu können schlechte Luft in Innenräumen, übermäßiger Lärm, schlechte Beleuchtung (flimmerndes Licht) oder ergonomische Faktoren gehören.

    Stressverminderung oder andere Verbesserungen der Arbeitssituation könnten hilfreich sein. Bei EHS-Betroffenen mit langjähriger Symptomatik und schweren Beeinträchtigungen sollte die Therapie hauptsächlich auf die Linderung der Symptomatik und von Funktionsstörungen gerichtet sein. Dies sollte in enger Zusammenarbeit mit einem Facharzt (um die medizinischen und psychologischen Aspekte der Symptomatik anzugehen) sowie einem Umwelthygieniker geschehen (um die Faktoren in der Umgebung zu identifizieren und notfalls zu überwachen, die sich nachteilig auf die Patienten auswirken können und für diese relevant sind). Hochfrequenzbelastung nur in Extremfällen problematisch Entwarnung gibt die WHO auch im Hinblick auf die Hochfrequenzbelastung (HF-Belastung) durch Basisstationen und lokale drahtlose Netzwerke.

    „Neue Studien haben gezeigt, dass die Höhe der HF-Exposition durch Basisstationen zwischen 0,002% und 2% der in den internationalen Richtlinien zur Begrenzung der Exposition festgeschriebenen Werte erreicht, abhängig von einer Vielzahl von Faktoren wie der Nähe zur Antenne und der jeweiligen Umgebung. Damit unterschreitet sie die HF-Exposition durch Radio- oder Fernsehsender oder ist mit dieser vergleichbar“, heißt es in einem Fact Sheet der Organisation, in dem auch darauf hingewiesen wird, dass in wissenschaftlichen Studien nur dann eine gesundheitliche Wirkung von HF-Feldern belegt werden konnte, wenn diese so stark sind, dass sie eine Zunahme der Körpertemperatur um mehr als ein Grad bewirken. Dies ist jedoch nur bei bestimmten Industrieanlagen, z.B. bei HF-Öfen, zu erwarten.

    Insbesondere betont die WHO, dass es für die häufig geäußerte Befürchtung, in der Nähe von Basisstationen könnte es gehäuft zum Auftreten von Malignomen kommen, keinerlei Belege gibt. „Angesichts der weiten Verbreitung von Basisstationen in der Umwelt ist davon auszugehen, dass mögliche lokale Häufungen von Krebs durch reinen Zufall auch in der Nähe von Basisstationen auftreten. Darüber hinaus umfassen die berichteten Krebsfälle dieser lokalen Häufungen oftmals verschiedene Krebsarten ohne übereinstimmende Merkmale. Es ist daher unwahrscheinlich, dass sie eine gemeinsame Ursache haben.

    In den letzten 15 Jahren wurden Studien zur Erforschung eines möglichen Zusammenhangs zwischen HF-Sendern und Krebs veröffentlicht. Diese Studien haben keinen Beweis dafür erbracht, dass HF-Strahlung von Sendeanlagen das Krebsrisiko erhöht. Auch Langzeitstudien an Tieren haben kein erhöhtes Krebsrisiko durch die Einwirkung von HF-Feldern gefunden, nicht einmal bei Werten, die weit über denen durch Basisstationen und drahtlosen Netzwerken verursachten Werten liegen“, heißt es in einer Aussendung der Weltgesundheitsorganisation.

    Auch andere gesundheitliche Beeinträchtigungen konnten nicht nachgewiesen werden.

    Studien zur HF-Exposition der Nutzer von Mobiltelefonen sowie Tierstudien zeigen, so die WHO, keine Auffälligkeiten von Hirnstrommustern, kognitiver Kompetenz und Verhalten nach der Einwirkung von HF-Feldern, wobei die in diesen Studien eingesetzte HF-Strahlung etwa tausendmal über der Exposition der allgemeinen Bevölkerung durch Basisstationen oder drahtlose Netzwerke lag.

    Auch wurden keine konsistenten Hinweise auf Änderungen des Schlafverhaltens oder der Herz-Kreislauf-Funktionen festgestellt.

     Österreich und Frankreich

    Bislang ist es, so die WHO, nicht gelungen, die EHSSymptomatik in einen ursächlichen Zusammenhang mit elektromagnetischen Feldern zu bringen. Es wurden eine Reihe von Studien durchgeführt, in denen EHS-Betroffene EMF ausgesetzt wurden, die denen entsprechen, die sie als Ursache ihrer Symptome beschreiben. Ziel war es, die Symptome unter kontrollierten Laborbedingungen auszulösen. „Gut kontrollierte und durchgeführte Doppelblindstudien haben gezeigt, dass die Symptome nicht mit der Einwirkung von EMF in Zusammenhang standen“, schreibt die WHO. Es wurde vermutet, dass die von einigen EHS-Betroffenen geschilderten Symptome von Umweltbedingungen herrühren, die nicht mit EMF in Zusammenhang stehen. Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass die Symptome durch bestehende psychiatrische Bedingungen sowie Stressreaktionen auf Grund von Ängsten vor Gesundheitsfolgen durch EMF begründet sein dürften. Dennoch empfiehlt die WHO der Ärzteschaft, diese Symptome ernst zu nehmen, da sie von den Betroffenen real erlebt werden und sehr belastend sein können. Die Behandlung betroffener Personen sollte sich auf die Symptomatik und das klinische Bild konzentrieren und nicht auf das wahrgenommene Bedürfnis der Person, am Arbeitsplatz oder im häuslichen Umfeld die Belastung durch EMF zu reduzieren oder auszuschalten.

    Empfohlen werden:

    • eine medizinische Untersuchung zur Identifizierung und Behandlung aller spezifischen Ursachen, die für die Symptome verantwortlich sein könnten

    • eine psychologische Untersuchung, um andere mögliche psychiatrische/psychologische Ursachen für die Entstehung der Symptome zu identifizieren

    • eine Beurteilung des Arbeitsplatzes und der häuslichen Situation hinsichtlich Einflussfaktoren, die zu den beschriebenen Symptomen beitragen könnten. Dazu können schlechte Luft in Innenräumen, übermäßiger Lärm, schlechte Beleuchtung (flimmerndes Licht) oder ergonomische Faktoren gehören. Stressverminderung oder andere Verbesserungen der Arbeitssituation könnten hilfreich sein

    Bei EHS-Betroffenen mit langjähriger Symptomatik und schweren Beeinträchtigungen sollte die Therapie hauptsächlich auf die Linderung der Symptomatik und von Funktionsstörungen gerichtet sein. Dies sollte in enger Zusammenarbeit mit einem Facharzt (um die medizinischen und psychologischen Aspekte der Symptomatik anzugehen) sowie einem Umwelthygieniker geschehen (um die Faktoren in der Umgebung zu identifizieren und notfalls zu überwachen, die sich nachteilig auf die Patienten auswirken können und für diese relevant sind).